Der Körper ist kein Projekt Über Identität, Scham und die Beziehung zum eigenen Körper
- Ve Di
- 7. Aug.
- 2 Min. Lesezeit
Der Körper wird heute häufig wie ein Projekt behandelt. Er soll gesünder, leistungsfähiger, schlanker, jünger oder attraktiver werden. Dabei gerät leicht aus dem Blick, dass der Körper nicht einfach etwas ist, das wir besitzen und nach unseren Vorstellungen gestalten können. Wir erleben die Welt durch ihn, werden durch ihn gesehen und sind in unserer Identität immer auch körperliche Wesen.
Deshalb berühren körperliche Veränderungen häufig weit mehr als die Oberfläche. Eine Erkrankung kann das bisherige Selbstverständnis erschüttern. Eine Essstörung kann mit Fragen von Kontrolle, Schutz, Beziehung oder Selbstwert verbunden sein. Ein starker Gewichtsverlust kann äußerlich als großer Erfolg erscheinen und gleichzeitig innerlich Verunsicherung auslösen.
Gerade bei Adipositas zeigt sich sehr deutlich, wie verkürzt eine rein körperliche Betrachtung sein kann. Gewicht erzählt nichts über den Wert eines Menschen und häufig nur einen kleinen Teil seiner Geschichte. Hinter dem Verhältnis zum eigenen Körper können Scham, Verletzlichkeit, Zugehörigkeit, Sexualität, Abgrenzung oder die Frage stehen, wer man eigentlich ist und wie man gesehen werden möchte.
Die logotherapeutische und existenzanalytische Perspektive interessiert sich deshalb nicht nur dafür, wie ein Körper verändert werden kann. Sie fragt auch nach der Beziehung, die ein Mensch zu seinem Körper entwickelt hat. Wird er als Gegner erlebt, als Belastung, als Schutz, als etwas Fremdes oder als Teil der eigenen Person?
Das Ziel einer Beratung muss dabei nicht sein, den eigenen Körper plötzlich lieben zu lernen. Auch diese Forderung kann schnell wieder zu einem neuen Leistungsanspruch werden. Manchmal ist ein erster wichtiger Schritt wesentlich bescheidener: den Körper nicht mehr permanent gegen sich selbst zu verwenden und die eigene Würde nicht länger von Gewicht, Form oder Leistungsfähigkeit abhängig zu machen.

Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt in der Begleitung von Menschen mit Adipositas und nach starken körperlichen Veränderungen. Dabei geht es für mich nicht primär um Gewicht, sondern um Identität, Selbstbeziehung und die Frage, wie ein Mensch in seinem Körper wieder mehr Lebensqualität und Freiheit erfahren kann.




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